Über uns
Vision
Ältere Menschen in Kagera leben in Würde. Sie verfügen über genug Mittel für Nahrung, Unterkunft und Gesundheit. Sie geniessen soziale Anerkennung und Selbstachtung. Ihre Enkelkinder wachsen sicher und gestärkt auf.
Mission
Kwa Wazee zahlt monatliche Renten an von Armut betroffene ältere Menschen sowie Beiträge an Grosseltern, die ihre Enkelkinder versorgen. Die Organisation baut zudem Nachbarschaftsgruppen auf. Sie stärkt das physische Wohlbefinden sowie das Human- und Sozialkapital. So lindert sie Armut und bekämpft Ungerechtigkeiten.
Verein Kwa Wazee
Der Verein mit Sitz in Basel ist für die Beschaffung der Finanzmittel verantwortlich, die mit dem Team in Tansania vereinbart wurden. Zudem berät er bei Fragen der Organisationsentwicklung.
Das Team in Nshamba
Das neunköpfige Team in Nshamba wird seit 16 Jahren von der Geschäftsführerin Lydiah P. Lugazia koordiniert, die einen Masterabschluss in Sozialentwicklung besitzt. Es besteht aus sechs Frauen und drei Männern mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen und Ausbildungen. Mehrere von ihnen arbeiten bereits seit der Gründung für Kwa Wazee. Unter den Teammitgliedern befinden sich einige, die als Waisen bei Grosseltern aufwuchsen, die einst eine Rente von Kwa Wazee erhielten. Das Team wird von lokalen Freiwilligen sowie von Mitgliedern der Seniorenräte und Ausschüssen der Nachbarschaftsgruppen unterstützt. Der siebenköpfige Vorstand der Organisation in Nshamba setzt sich aus lokalen Fachkräften und Gemeindevertretern zusammen.
Geschichte
In den späten 1990er-Jahren war die Region im Nordwesten Tansanias besonders stark von der HIV/AIDS-Pandemie betroffen. Schätzungsweise waren 15 bis 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung mit HIV infiziert. Während der Hochphase der Pandemie waren Tausende Kinder in der Region Kagera durch den AIDS-bedingten Verlust ihrer Eltern betroffen. Zahlen gibt es erst für das Jahr 2007: In ganz Tansania wurden damals 2,7 Millionen AIDS-Waisen gezählt. Etwa die Hälfte von ihnen wurde von Grosseltern, meist Grossmüttern, aufgenommen. Dies führte zu einer Überlastung des traditionellen Versorgungssystems.
Der 1938 in Sissach BL geborene Soziologe Dr. Kurt Madörin begann 1998 mit dem Aufbau der ersten von Waisen selbst geführten Organisation Vijana Simama Imara (VSI), um den Kindern Unterstützung in den Bereichen Bildung, medizinische Versorgung, Ernährung und psychosoziale Betreuung zu bieten. Bald wurde ihm bewusst, dass nicht nur die Kinder, sondern vor allem auch ihr Umfeld Hilfe benötigte. Mit Erreichen seines Pensionsalters gründete er im Jahr 2003 in Nshamba die NGO Kwa Wazee Tansania. Mit finanzieller Unterstützung eines im Frühjahr 2004 gegründeten gleichnamigen Schweizer Vereins begann er, kleine monatliche Renten an Grosseltern auszuzahlen, die sich um ihre Enkelkinder kümmerten. Dieses Pilotprojekt gehörte zu den ersten im südlichen Afrika, die bedingungslose Bargeldauszahlungen durchführten. Die regelmässigen Rentenzahlungen erwiesen sich als sehr wirksam, um ältere Menschen in Nachbarschaftsgruppen zu organisieren. Mit diesen Gruppen hat Kwa Wazee seit ihrer Gründung immer wieder neue Programme entwickelt, die auf gegenseitiger Unterstützung basieren. Die Verfügbarkeit und Anwendung antiretroviraler Medikamente in den späten Nullerjahren senkte die Sterberate infolge von HIV/AIDS deutlich. In Tansania existiert jedoch noch immer kein allgemeines Rentensystem, das die Grundbedürfnisse älterer Menschen absichert. Gerade in Zeiten, in denen der Klimawandel das Armutsrisiko weiter erhöht, leisten die Kwa-Wazee-Renten einen wichtigen Beitrag zur Linderung prekärer Verhältnisse und zur Verbesserung der Lebensqualität älterer Menschen. Gleichzeitig tragen sie dazu bei, gesellschaftliche Ungerechtigkeiten gegenüber älteren Menschen abzubauen. Nicht mittellos zu sein, bedeutet soziale Anerkennung und trägt zur Selbstachtung bei.